Essener Park

Als Relikt des einstmals prächtigen Parks der Borsig-Villa ist der heutige Essener Park ein gut verstecktes Kleinod im Herzen von Moabit. Durch einen verbesserten Zugang und eine Gestaltung der Grünfläche und des Rundweges könnte die öffentliche Grünfläche in ihrer Funktion als Naherholungsfläche aufgewertet werden.

Eine grüne Wiese mit Bäumen im Essener Park, links eine Bank, im Hintergrund die Brandwand eines angrenzenden Gebäudes

Wegen seiner versteckten Lage im Innenbereich des Blockes Alt Moabit, Strom-, Essener- und Krefelder Straße kennen hauptsächlich alteingesessene Moabiter:innen und Anwohner:innen den Essener Park. Er ist ein Relikt des einstmals prächtigen Parks der Borsig-Villa, die sich der „Lokomotivenkönig“ August Borsig 1849 an der Ecke Alt Moabit/Stromstraße auf dem Firmengelände seines Eisenwalzwerks errichten ließ.

Da der Platz auf den stadtnahen Firmengeländen an der Chausseestraße und in Moabit nicht mehr ausreichte, wurde die borsigsche Produktion 1893 nach Tegel (Borsigwerke) verlagert. Eine Tochtergesellschaft, die Neue-Bellevue-Aktiengesellschaft, ließ die Produktionsstätten und den Park abräumen, parzellierte das Gelände, ließ die Straßen des Westfälischen Viertels anlegen und veräußerte Baugrundstücke für den Wohnungsbau, der ab 1905 begann.

Zuletzt erfolgte 1911 der Abriss der Borsig-Villa. Der Essener Park blieb übrig, weil die Blockkanten Strom- und Essener Straße nicht mehr vor dem 1. Weltkrieg (1914-18) mit dem gründerzeitlichen Bautypus aus Vorderhäusern, Seitenflügeln und Quergebäuden bebaut werden konnten. Das neue Bauen der 1920er und 1930er Jahre ließ dann den Blockinnenbereich frei. Sehr wahrscheinlich wurde bereits damals der 3.665 m² große südliche Teil des heutigen Essener Parks den Grundstücken an der Essener Straße zugeordnet. Deshalb befindet sich nur der 4.140 m² große Nordteil im öffentlichen Eigentum.    

In den späten 1970er Jahren verhinderte eine Bürgerinitiative eine Bebauung des Essener Parks. In den Jahren 2015 und 2016 nahmen Drogenhandel und -konsum Ausmaße an, dass es Überlegungen gab, die öffentliche Grünfläche aufzugeben und sie stattdessen umzäunt und durch einen gemeinnützigen Träger bewirtschaftet gegen Schlüsselherausgabe stundenweise durch Kindertagesstätten und andere soziale Einrichtungen, die über keine eigenen Freiflächen verfügen, nutzen zu lassen. Nach öffentlichen Protesten gab es dafür keine politische Mehrheit.